Professor Rudolf Gelbard – Überlebender des Holocaust, Zeitzeuge und Kämpfer gegen Antisemitismus

Einleitung: Das Vermächtnis von Professor Rudolf Gelbard

Professor Rudolf Gelbard steht für Mut, Zivilcourage und das unermüdliche Erinnern an die Verbrechen des Nationalsozialismus. Geboren am 4. Dezember 1930 in Wien, überlebte er als Kind das Konzentrationslager Theresienstadt. Nach seiner Befreiung 1945 widmete er sein gesamtes Leben dem Kampf gegen Antisemitismus, Rassismus und rechtsextreme Ideologien.

„Überleben verpflichtet.“ 

Kindheit und Verfolgung: Der Weg nach Theresienstadt

Professor Rudolf Gelbard wuchs in einer jüdischen Familie in der Wiener Leopoldstadt auf. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 durfte er keine Schule mehr besuchen. Im Oktober 1942 wurde der damals zwölfjährige Gelbard mit seinen Eltern in das KZ Theresienstadt deportiert. Dort verlor er fast seine gesamte Familie – 19 Angehörige wurden ermordet. Die Befreiung 1945 rettete ihm das Leben, aber das Erlebte prägte ihn für immer.

„Ich habe nie geglaubt, dass ich überleben werde“

Rückkehr nach Wien und beruflicher Neubeginn

Nach der Befreiung kehrte Rudolf Gelbard in eine Stadt zurück, die noch immer vom Antisemitismus durchzogen war. Er holte seine Ausbildung nach, arbeitete in der öffentlichen Verwaltung und später als Journalist. Ab 1975 war er Redakteur beim „Kurier“, wo er in der Ombudsmann-Redaktion bis 1990 tätig blieb. Trotz beruflichem Erfolg blieb sein eigentliches Anliegen die Aufklärung über Faschismus und Nationalsozialismus.

Zeitzeuge und Aufklärer: Die Stimme gegen das Vergessen

Professor Rudolf Gelbard wurde zu einer zentralen Figur der österreichischen Erinnerungskultur. In hunderten Schulvorträgen, Interviews und Fernsehsendungen erzählte er von seiner Deportation, vom Überleben in Theresienstadt und von den Gefahren des wiederkehrenden Hasses. Er engagierte sich im Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (DÖW), im Bund Sozialdemokratischer Freiheitskämpfer:innen und trat immer wieder öffentlich gegen Holocaustleugner wie David Irving auf. Sein Ziel war klar: jungen Menschen zu zeigen, wie schnell Gleichgültigkeit in Gewalt umschlagen kann.

Professor Rudolf Gelbard in Kunst und Öffentlichkeit

Neben seiner Bildungsarbeit nahm Professor Rudolf Gelbard auch an kulturellen Projekten teil. 2008 wurde der Dokumentarfilm „Der Mann auf dem Balkon“ über ihn veröffentlicht, 2013/14 stand er im Burgtheater-Projekt „Die letzten Zeugen“ selbst auf der Bühne. Diese Werke machten ihn über Österreich hinaus bekannt – als Symbolfigur des Überlebens und der Verantwortung.

Auszeichnungen und Ehrungen

Für sein Engagement erhielt Professor Rudolf Gelbard zahlreiche Auszeichnungen, darunter:

  • Silbernes Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich (2011)

  • Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst (2015)

  • Ute-Bock-Preis für Zivilcourage (2018)

  • Victor-Adler-Plakette (2016)

Seit 2022 trägt eine Straße in Wien-Döbling seinen Namen: die Rudolf-Gelbard-Gasse, in der Nähe des Karl-Marx-Hofs. (Quellen: dasrotewien.at, Wikipedia)

Letzte Jahre und Tod

Bis kurz vor seinem Tod blieb Professor Rudolf Gelbard aktiv. Noch 2017 veröffentlichte er eine Videobotschaft gegen rechtsextreme Regierungsbeteiligungen. Er starb am 24. Oktober 2018 in Wien. Seine Grabstätte ist ein Ehrengrab am Wiener Zentralfriedhof. Sein Tod markierte keinen Abschluss, sondern den Beginn einer neuen Form des Erinnerns – in Schulen, Museen und digitalen Archiven.

Das Vermächtnis von Professor Rudolf Gelbard

Professor Rudolf Gelbard war mehr als ein Zeitzeuge. Er war ein Mahner, ein Lehrer und ein Kämpfer für Menschlichkeit. Sein Leben zeigt, dass Erinnerung nicht Stillstand bedeutet, sondern Verantwortung – Verantwortung, die Vergangenheit zu kennen und die Zukunft besser zu gestalten.

Seit 2022 wird sein Andenken auch institutionell gepflegt: Mit dem Professor-Rudolf-Gelbard-Symposium haben die SPÖ-Bundesbildung, die Wiener Bildungsakademie, das Dr. Karl Renner Institut und die Wiener SPÖ-Bildung eine Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, die sein Engagement weiterführt.

Das Symposium bringt Wissenschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammen, um über Antisemitismus, Demokratie und die Bedeutung historischer Verantwortung im 21. Jahrhundert zu diskutieren – ganz im Sinne von Rudolf Gelbards Haltung, dass Bildung und Erinnerung untrennbar verbunden sind.

Wer heute seinen Namen liest, sollte sich daran erinnern, dass Demokratie niemals selbstverständlich ist.


Professor Rudolf Gelbard bleibt ein Symbol dafür, nicht zu schweigen, wenn Unrecht geschieht, und dafür, dass Aufklärung und Mut die stärksten Waffen gegen das Vergessen sind.